Düngung im Aquarium – Ein Vergleich der Düngesysteme
Ein neues Aquarium mit Pflanzen und Fischen ist eingerichtet und man fragt sich wie man den Pflanzenwuchs auf Dauer aufrecht erhalten kann. Bei vielen Personen werden Unmengen an neuen Pflanzen gekauft, da diese immer wieder eingehen oder es wird auf sehr einfach zu haltende Pflanzen ausgewichen. Algen machen sich teilweise auch breit und oft ist dies dann der Todesstoß für das Hobby Aquaristik. Der Spaß lässt einfach nach und man sieht keinen Lösungsweg aus dieser Situation, außer einem Neuanfang oder eben der Totalaufgabe.

Diese Probleme müssen aber nicht auftauchen und können von vorn herein verhindert werden, wenn man sich für ein durchdachtes Düngesystem entscheidet. In diesem Artikel soll daher auf die gängigen Düngesysteme eingegangen werden, damit die Wasserpflanzen im Aquarium gedeihen und die Algen keine Chance haben. Denn in einem gut bepflanzten Aquarium mit gesunden Pflanzen fühlen sich auch die Bewohner sehr viel wohler.
Wasserpflanzendünger wird im Zoofachgeschäft meist nur als Eisenvolldünger verkauft. Dieser hat jedoch einen entscheidenden Nachteil und zwar werden nur Mikronährstoffe, wie z.B. Eisen, Mangan usw., dem Wasser zugeführt. Mikronährstoffe werden von den Pflanzen in recht geringer Menge benötigt, fördern aber den Pflanzenwuchs enorm in einem normalen Gesellschaftsbecken mit wenig Licht. In solchen Aquarien ist nämlich von den Makronährstoffen, Nitrat und Phosphat, meist genug durch Fischausscheidungen vorhanden.
Aquarien werden heutzutage aber mit stärkerer Beleuchtung verkauft und CO2 kommt ebenfalls sehr viel häufiger zum Einsatz. Die Aquarien werden so gesehen auf Hochleistung getrimmt, jedoch fehlt es dann oft an der richtigen Ernährung für die Pflanzen und so gedeihen diese nicht optimal. Algen erfreuen sich an solchen Zuständen und vermehren sich in diesen pflanzenunfreundlichen Aquarien prächtig. Oft kommt es bei solchen Becken zu einem Nährstoffungleichgewicht oder auch einem Mangel an gewissen Nährstoffen. Gerade die Makronährstoffe können hier leer gelaufen sein und hindern die Wasserpflanzen an einem guten Wuchs.
Wollen wir uns nun den unterschiedlichen Düngesystemen widmen. Welche Möglichkeiten hat der Aquarianer hier? Ich will mich auf vier Arten konzentrieren und zwar auf den Estimative Index, PMDD basierende Dünger wie Aqua Rebell Makro Basic NPK oder PPS Pro, substratorientierte Düngung im Stil von Aqua Design Amano und eine gezielte Düngung durch Auffrischung der verbrauchten Nährstoffe mit paralleler Kontrolle der Wasserwerte.
Estimative Index
Kommen wir zunächst zum Estimative Index. Was zeichnet dieses Düngesystem aus? Die Grundannahme beläuft sich darauf, dass Wasserpflanzen immer genug von allen Nährstoffen zur Verfügung haben müssen, um optimal zu wachsen. Aus diesem Grund wird den Pflanzen ein reichhaltiges Angebot an Nitrat, Phosphat, Kalium und Mikronährstoffen geboten. Der Estimative Index probiert somit eine unlimitierte Nährstoffzufuhr sicher zu stellen. Damit sich keine Nährstoffe im Aquarium ansammeln, muss einmal pro Woche ein Wasserwechsel von 50% durchgeführt werden. Durch den Wasserwechsel kann sich im Laufe der Zeit die zugeführte Düngemenge, bei keinerlei Verbrauch durch die Wasserpflanzen, lediglich verdoppeln. Es kommt also nicht zu extrem hohen Nitrat-, Phosphat oder Kaliumwerten, die gefährlich für die Bewohner seien könnten.
Bei diesem Düngesystem müssen durch die recht großen Wasserwechsel keinerlei Wassertests durchgeführt werden, womit dieses System sehr anwenderfreundlich ist.
Bei normaler Anwendung mit dem Estimative Index ist eine CO2 Zufuhr sehr wichtig. Durch das reichliche Angebot an Nährstoffen wird von den Wasserpflanzen der Hauptnährstoff CO2 in einem höheren Ausmaß benötigt. Der CO2 Wert sollte um 30 mg/l betragen und kann durch z.B. einen CO2 Dauertest überprüft werden.
Der Estimative Index kann natürlich auch individuell auf das eigene Aquarium angepasst werden. Hierfür düngt man zunächst die vorgeschriebene Menge und reduziert in den kommenden Wochen diese Dosis. Falls man also 5 ml am Tag verabreicht, führt man zum Beispiel die nächsten zwei Wochen nur noch 4 ml hinzu und schaut ob sich die Pflanzen im Wuchs verändern. Wenn die Wasserpflanzen weiterhin gut wachsen reduziert man in den kommenden zwei Wochen erneut um 1 ml auf nun 3 ml. Kommt es nun in den zwei Wochen zu einem schlechteren Wuchs oder sogar Algen, dann muss man die Dosis wieder auf 4 ml erhöhen und hat somit seine optimale Düngerzufuhr gefunden.
Der Estimative Index kann bei zu wenig CO2 mit gewissen heiklen Wasserpflanzen, durch die höheren Nährstoffwerte, auch zu Problemen führen. Eine konstante CO2 Zufuhr ist daher sehr wichtig. Eine Optimierung der Düngemenge auf das eigene Aquarium ist hier sicherlich ein weiterer wichtiger Aspekt, um solchen Problemen entgegen zu wirken. Die hohe Wasserwechselfrequenz schreckt ebenfalls einige Personen ab.
PMDD basierende Düngesysteme (Aqua Rebell Makro Basic NPK, PPS Pro)
PMDD, als Abkürzung für Poor Mans Dosing Drops, ist ein bereits recht altes Düngesystem, welches zu seinen Zeiten ohne Phosphatzusatz entwickelt wurde. Hier lag der Schwerpunkt auf einer ausreichenden Nährstoffzufuhr, ohne dabei hohe Nährstoffwerte im Aquarium anzustreben. Das Prinzip basiert hierbei auf der guten Anpassungsfähigkeit der Wasserpflanzen auf eine sehr limitierte Phosphatdüngung. Durch weniger Phosphat wird auch von den anderen Nährstoffen sehr viel weniger benötigt. Gerade in Aspekt auf CO2 und die anderen Makronährstoffe muss hier viel weniger zugedüngt werden.
Bei der Makronährstofflösung Aqua Rebell Makro Basic NPK und auch dem Düngesystem PPS Pro sind jedoch geringe Mengen Phosphat für die tägliche Düngung hinzugekommen, damit die Pflanzen täglich eine gewisse Menge von jedem Nährstoff zur Verfügung haben. Der Phosphatzusatz dient auch dazu den etwas gesteigerten Nährstoffbedarf durch verbesserte Aquarientechnik, wie z.B. der Beleuchtung, auszugleichen.
Ein Vorteil von diesem System liegt in der reduzierten Wuchsgeschwindigkeit der Pflanzen, da diese nicht unter Hochleistungskriterien zum Wuchs bewogen werden, wie bei dem Estimative Index. Ebenfalls muss hier nicht wöchentlich ein großer Wasserwechsel vorgenommen werden, wobei Wasserwechsel generell immer gut für ein Aquarium sind. Wasserwechselintervalle von 25%-50% alle zwei Wochen sollten bei diesem System ausreichen.
Wassertests sind bei diesem System ebenfalls nicht notwendig, da die Nährstoffzufuhr so konzipiert wurde, dass die eingebrachten Nährstoffe auch verbraucht werden.
Ein Mikrodünger (Eisenvolldünger) muss natürlich weiterhin parallel zu den PMDD Makrolösungen dosiert werden.
Die Nachteile bei diesem System liegen in dem teilweise recht geringen Phosphatanteil, der in einigen Becken dafür sorgt, dass trotz der recht fein abgestimmten Nährstoffe im Dünger gewisse Mangelsituationen auftreten. Hier muss dann gegebenenfalls mit einem zusätzlichen Einzelnährstoffdünger nachdosiert werden. Bei sehr vielen Personen funktioniert der Dünger jedoch ohne die Zufuhr von weiteren Makronährstoffen.
Substratorientierte Düngung im Stil von ADA
Bei den bis jetzt vorgestellten Düngesystemen wurde die Düngung der Wasserpflanzen gezielt über die Wassersäule realisiert. Bei einer substratorientierten Düngung läuft dies recht gegensätzlich ab. Die Makronährstoffe werden zum Beispiel bei einem Aqua Design Amano Becken mit Power Sand und Aqua Soil im Substrat bzw. Bodengrund gebunden. Die Wasserpflanzen kommen so durch die Wurzeln an die Stoffe heran und können üppig wachsen, ohne dass sich höhere Mengen an Nitrat und Phosphat im Wasser befinden.
Da es gewisse Pflanzen gibt, die eine Düngung über das Substrat bevorzugen, zeigen diese einen besonders guten Wuchs. Über die Wassersäule werden lediglich die Mikronährstoffe, über einen Eisenvolldünger, und Kalium über Brighty K zugeführt.
Diese Becken laufen so gesehen auch recht kräftig gedüngt, jedoch eben über das Subtrat. Prächtiger Pflanzenwuchs läuft hier mit sehr niedrigen Nährstoffwerten in der Wassersäule ab. Da eine parallele Versorgung der Wasserpflanzen über das Wasser stattfinden kann, ermöglicht die substratorientierte Düngung eine sehr flexible Nährstoffversorgung für das Aquarium und stellt, gekoppelt mit zum Beispiel dem Estimative Index oder auch der PMDD Düngung, eine sehr ausgewogene Art und Weise sein Aquarium zu pflegen dar. Ebenfalls ist es natürlich möglich bedarfsorientiert anhand von Wassertests die verbrauchten Nährstoffe hinzu zu fügen oder die Nährstoffe über die ADA Düngeserie mit den Green Brighty Step Düngern aufzufrischen, die optimal auf das Substrat abgestimmt sind.
Gezielte Düngung durch Auffrischung der verbrauchten Nährstoffe
Eine gezielte Düngung über die Wassersäule anhand von Wassertestergebnissen stellt die letzte hier vorgestellt Düngemethode dar.
Hier ist vorweg sehr wichtig, dass man sehr genaue Wassertests nutzt. Die Wassertests aus dem Hobbybereich liefern meistens eher Schätzwerte und sollten immer einmal vor dem Gebrauch kalibriert werden. Dies bedeutet, dass man eine Standardlösung mit z.B. 10 mg/l Nitrat ansetzt und diese mit seinem Wassertest misst. Nun kann man genau sehen bei welchem Farbumschlag 10 mg/l Nitrat erreicht werden. Ohne diese Kalibrierung sind die Wassertests noch ungenauer.
Die beste Möglichkeit zu Testen, wird über ein Fotometer realisiert. Hier muss dann aber noch zusätzlich darauf geachtet werden, dass die eigentlichen Wassertests nicht „schlecht“ geworden sind und dadurch eventuell das Ergebnis verfälscht wird.
Gehen wir aber nun von einem funktionierenden Fotometer aus, so kann man nun sehr genau den Bedarf an Nährstoffen für das Aquarium ermitteln. Eine gute Möglichkeit wäre es an einem Tag die Nährstoffe zu kontrollieren und am darauf folgenden Tag. Anhand der Ergebnisse kann dann der Verbrauch bestimmt werden. Hier sollte man natürlich zunächst auch dafür sorgen, dass von allen Nährstoffen genug in der Wassersäule vorhanden ist. Nitratwerte um 10 mg/l, Phosphatwerte um 0,1 mg/l, Kaliumwerte um 5-10 mg/l und Eisenwerte um 0,1 mg/l werden oft empfohlen und reichen für eine phosphatlimitierte Düngung meist aus.
Gelegentlich sollte man natürlich die Werte kontrollieren, gerade wenn es zu Algen oder schlechterem Pflanzenwuchs kommt. Darauf muss dann bedarfsorientiert nachgedüngt werden.
Wasserwechsel von 50% pro Woche sind hier ebenfalls empfehlenswert und sollten am besten mit weichem, nährstoffarmen Wasser durchgeführt werden, damit eine gezielte und kontrollierte Düngung stattfinden kann. Die Anschaffung einer Osmoseanlage ist aus diesem Grund sehr zu empfehlen.
Die Nachteile des Systems liegen natürlich klar in dem Aufwand durch die Wassertests und den großen Wasserwechseln. Ebenfalls sind recht hohe Anschaffungskosten mit dieser Art der Düngung verbunden. Als sehr positiv ist natürlich die genaue Bestimmung der Nährstoffe im Wasser zu sehen und die gezielte Aufdüngung dieser Stoffe.
Zusammenfassung
Welches System ist aber nun für mich das Beste? Dies liegt klar an den eigenen Vorstellungen ein Aquarium zu pflegen. Eine kleine Liste mit den Vor- und Nachteilen soll aber die Entscheidung leichter machen.
| Estimative Index
Pro:
- Gute Nährstoffversorgung
- Keine Wassertests
- Einfach zu nutzen
- Geringe Kosten
Contra:
- Kann bei heiklen Pflanzen zu Problemen führen
- Hohe CO2 Werte sind empfehlenswert
- Große Wasserwechsel von 50% pro Woche
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PMDD
Pro:
- Solide Nährstoffversorgung
- Keine Wassertests
- Einfach zu nutzen
- Geringe Kosten
- Weniger Wasserwechsel nötig
Contra:
- Teilweise kommt es dennoch zu Algen
- Weitere Dünger sind eventuell erforderlich
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Substratorientiert
Pro:
- Gute Nährstoffversorgung über den Bodengrund
- Keine Wassertests
- Einfach in der Handhabung
- Mit anderen Düngesystemen kombinierbar
Contra:
- Hohe CO2 Werte sind empfehlenswert
- Preislich sind ADA Produkte im oberen Segment angesiedelt
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Testen und Düngen
Pro:
- Sehr präzise
- Führt nur die benötigten Nährstoffe dem Aquarium hinzu
Contra:
- Recht kostspielig
- Hoher Aufwand durch die Wassertests
- Große Wasserwechsel von 50% pro Woche sind zu empfehlen
- Viele Düngerflaschen bzw. Düngeprodukte sind für die gezielte Düngung erforderlich
- Hohe CO2 Werte sind empfehlenswert
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Hat man sich nun für eine Düngemethode entschieden, kann man sich auf die schönen Seiten der Aquaristik konzentrieren. Die Wasserpflanzen sollten nun prächtig wachsen und die Bewohner fühlen sich wohl. Jetzt kann voller Freude die Gestaltung des Aquariums beginnen, ohne dabei Abstriche machen zu müssen. Folglich wird durch eine ausgewogene Düngung der Grundstein für ein gesundes und dekoratives Aquarium gelegt, dass einem viel Spaß bereiten wird.